Buchvorstellung „Aschenwelt“ auf xtme.de

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Hamburger Winter

Diese Tage geschehen wunderliche Dinge in Hamburg. Autonome greifen die Davidwache an, voller Hass und ausufernder Gewalt – weil die Polizei Tage zuvor eine Demonstration schon nach zwanzig Metern gestoppte hatte, die für die meisten angeblich nur dem Zweck diente, Barrikaden zu bauen und auf Polizistenhelme einzuhauen. Es scheint, als beabsichtigten beide Seiten, die Lage eskalieren zu lassen, um ihrer Wut auf die Gesellschaft und ihrer Unzufriedenheit mit der Allgemeinsituation Luft zu verschaffen und ihre geheimen Gewaltfantasien auszuleben. Die Polizei ruft ein Gefahrengebiet nach dem anderen aus, um dort in einem quasi rechtsfreien Raum tun und lassen zu können was sie wollen. Derweil fühlt sich die Gegenseite (beabsichtigt) provoziert, agitiert und randaliert. Und die Menschen sind, mal wieder, wie anno 2010 in Stuttgart, in zwei unversöhnliche Lager gespalten, die ein tiefer Graben voller Hass und Unverständnis trennt. Die einen wollen die Revolution und am liebsten das ganze System stürzen, Polizisten jagen und verdreschen, oder wenigstens beschimpfen, wenn auch nur feige auf extra eingerichteten Facebookseiten; die anderen heulen mit den Wölfen und fordern eine Aufrüstung der Staatsmacht, bis hin zur Anwendung von Waffengewalt oder gar der Todesstrafe für die Randalierer (auch sehr gerne relativ anonym auf Facebookseite, die den anderen gegenüberstehen).
Sind das alles Anzeichen für den kommenden Aufstand? Werden aus Gefahrengebieten bald Sperrzonen? Hauen sich die beiden Lager bald körperlich auf die Köpfe und nicht mehr nur verbal? Gibt es bald die ersten Todesopfer? Bauen die Gentrifizierer bald Zäune oder Mauern um ihre Luxusbuden in immer konformeren Innenstadtvierteln? Wo soll das alles hinführen, wenn nicht alle einige Schritte zurücktreten, die Skimasken (echte und virtuelle) von den Gesichtern ziehen, die Helme absetzen und die Schlagstöcke wegschließen (auch die echten und die virtuellen)? Vielleicht gibt es noch andere Lösungen. Darüber lachen sollte man.

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